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Geschichte
Aus der mesolithischen Siedlung Friesack in Brandenburg sind drei Gruben bekannt, die von Jägern und Sammlern zur Gewinnung von Trinkwasser angelegt wurden (Wasserlöcher).
Auf diese Funktion deuten Schöpfgefässe aus einem Schildkrötpanzer bzw. aus Birkenrinde, die auf den Grubensohlen entdeckt worden sind[1]. Die ältesten bisher bekannten
Brunnen stammen aus der frühen Jungsteinzeit und wurden in Mylouthkia auf Zypern in festem Kalkstein abgeteuft (10. und 9. Jahrtausend vor heute). Der heute unter dem
Meeresspiegel gelegene Brunnen von Atlit Yam (Israel) stammt aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. (spätes PPN B)[2]. Die ersten Brunnen in Mitteleuropa stammen aus der Bandkeramik,
ca. 5550 - 4950 v. Chr. Sie besassen regelhaft eine stützende Auskleidung (sog. Brunnenkasten) aus Eichenholz. Aus der Schnurkeramik sind Brunnen mit einer Auskleidung aus
Flechtwerk bekannt[3].
Brunnen zur Wassergewinnung und als Nutzbrunnen
Ein Ziehbrunnen in der Puszta zur Versorgung der Viehherden
Ein Ziehbrunnen in der Puszta zur Versorgung der Viehherden
Ziehbrunnen im Hof des Klosters Wald
Ziehbrunnen im Hof des Klosters Wald
Brunnen auf der Festung Königstein
Brunnen auf der Festung Königstein
Brunnen mit Pumpe auf dem Kirchplatz Hofbieber
Brunnen mit Pumpe auf dem Kirchplatz Hofbieber
Springbrunnen im Park beim Starnberger Schloss
Springbrunnen im Park beim Starnberger Schloss
Skizze des Triton-Brunnens in Nürnberg (1689)
Skizze des Triton-Brunnens in Nürnberg (1689)
Es wird zwischen Lauf- und Ziehbrunnen unterschieden. Der einfachste Brunnen ist ein Auffangbecken aus Holz oder Naturstein, mit dem das aus einer Quelle austretende Wasser direkt
aufgefangen wird, bevor es zu einem Bach weitergeleitet wird.
Unter einem Tiefbrunnen (oder Ziehbrunnen) versteht man eine vom Menschen geschaffene Öffnung im Erdreich oder im Gestein, die meist senkrecht hinunter geht. Die Öffnung kann klein
und dann entweder verrohrt sein oder aber groß und durch die natürliche Festigkeit des Umgebungsmaterials erhalten bleiben (begehbare Brunnen). Aus modernen engen Bohrungen wird das Wasser durch technische Hilfsmittel (Winde oder Pumpe) nach oben gefördert.
Ebenfalls durch natürlichen Druck werden einfache Brunnen-Zapfstellen möglich, z. B. Viehtränken im Gebirge, wobei der Druck durch das im Gebirgsmassiv fließende Wasser entsteht.
Somit wird ein Reservoir unterhalb des Füllstands angebohrt oder sein natürlicher Quell wird mit technischen Mitteln abgefasst und umgeleitet, ohne in die Tiefe bohren zu müssen.
Ziehbrunnen
Ziehbrunnen sind seit dem frühen Neolithikum nachgewiesene (Zypern) urtümliche Schächte, die im Erdreich durch Holzkonstruktionen (Holzkastenbrunnen) stabilisiert wurden. Solche
Schöpfeinrichtungen dienen zur Erleichterung der Wasserbeschaffung, insbesondere beim Tränken von Viehherden. Bekanntes Beispiel sind die Brunnen der Puszta, die es aber im gesamten Steppengürtel Eurasiens und anderswo gibt. Neben dem Einsatz der Hebelwirkung über den Schwingbaum an dem Gegengewichte die Arbeit erleichtern sind Räder, Seile und Zugtiere (Büffel, Esel, Kamele) im Einsatz. Die in Mitteleuropa gebräuchliche Ziehvorrichtung, bei der ein Seil auf einem verhältnismäßig kleinen Rundholz aufgewickelt wird, sind dagegen technisch gesehen keine besonders effektiven Lösungen. Wilhelm Busch zeichnete den Ziehbrunnen in Kleinenbremen.
Brunnenbau
In den Artikeln Brunnenbau und Horizontalbrunnenbau wird der Bau verschiedener Brunnentypen beschrieben. Zur Messung des Grundwasserspiegels kann man das Tiefenlot, die Brunnenpfeife,
den Kabellichtlot, Widerstandsketten oder ein Echolot verwenden.
Der artesische Brunnen ist ein natürlicher Brunnen, aus dem Grundwasser wie aus einem System kommunizierender Röhren durch Überdruck aufsteigt. Der Aufstiegskanal ist dabei
typischerweise künstlich angelegt und somit ein Tiefbrunnen.
Eine besondere Brunnenform stellen die vor allem im Iran verbreiteten Qanate dar, bei denen es sich um einen horizontalen Wassersammelstollen mit mehreren vertikalen Zugangsschächten
handelt.
Zierbrunnen
Brunnen galten bis zur Einführung des Leitungswassers als Treffpunkt für Menschen und insbesondere für Wäscherinnen, sie haben diese soziale Funktion in vielen Ländern nach wie vor.
Viele historische Brunnenanlagen stehen heute unter Denkmalschutz und gelten zum Teil als Sehenswürdigkeit. Dadurch sind Brunnenanlagen auch heute ein Anziehungspunkt im öffentlichen
Raum. Gerne sitzen Menschen in der Nähe eines solchen Zierbrunnens oder tauchen eine Hand in das Wasser.
Mit dem Aufkommen von Wasserleitungen, die das Nutzwasser direkt in die Haushalte brachte, verschwanden die Entnahme- und Waschbrunnen im öffentlichen Raum. Sie wurden in vielen
Dörfern und Städten durch mehr oder weniger gelungene künstlerisch gestaltete Brunnenanlagen ersetzt. Bestandteile solcher Brunnen sind: Fontänen, Kaskaden, Becken.
Das Wasser kühlt durch die Verdunstung im Sommer und trägt somit zur Verbesserung des Kleinklimas bei. Im islamischen Raum sind Innenbrunnen ein wichtiger Bestandteil von Palästen,
da sie die Innenraumtemperatur absenken.
Zierbrunnenanlagen haben eine Umwälzpumpe. Es wird daher nur das verdunstete Wasser ersetzt. Sie sollten vor Beginn der ersten Fröste entleert werden.
Brauchtum
In Oberfranken, besonders in der Fränkischen Schweiz, gibt es den Brauch, Osterbrunnen zur Feier des Osterfestes zu schmücken. Im schwäbischen Raum gibt es in manchen Städten das
Brauch des jährlichen sogenannten Geldbeutelwaschens im Brunnen. In manchen Städten werden zur Fasnacht Leute in einen Brunnen geworfen. Münzen, die in einen Brunnen geworfen werden,
sollen zu Lebensglück oder einer Rückkehr an den Brunnen führen, so z.B. speziell beim Trevibrunnen in Rom. In Sulz AG und Gansingen in der Schweiz findet jeweils am Pfingstsonntag
der Pfingstsprützlig statt, wo vollständig in Laub gekleidete Gestalten Schaulustige mit Brunnenwasser anspritzen.

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